Der Angriff des Monats April

Situation: Sie stehen vor der Stadtbücherei und warten darauf, dass geöffnet wird. Ein Mann stellt sich ganz dicht neben Sie. Sie bitten ihn, etwas mehr Abstand zu halten. Darauf schnauzt er Sie an:

 „Haben Sie eigentlich Freunde?“

 Ihre eigene Antwort:

 Mögliche Reaktionen:

  1. „Wieso? Wollen Sie einen von meinen abhaben?“
    Schlagfertige Retourkutsche.
  2. „Nein, aber ich habe Kollegen. Die reichen mir vollkommen aus, wenn es darum geht, blöde Fragen gestellt zu bekommen.“
    Sie assoziieren und kommen von Freunden auf Kollegen. Mit den »blöden Fragen« geben Sie den Druck indirekt zurück.
  3.  „Wieso, brauchen Sie welche?
    Schöne Anwendung des Grundmusters, die Aussage auf den anderen zu beziehen.
  4. Wie hat Plutarch mal so schön gesagt: „Es ist schlimm, erst dann zu merken, dass man keine Freunde hat, wenn man wirklich Freunde nötig hat.“
    Ein philosophisches Zitat kann sehr wirkungsvoll sein, wie in dem Beispiel.
  5. „Jedermann will einen Freund haben, aber niemand gibt sich die Mühe, auch einer zu sein. Wie sehen Sie das?“
    Sie überhören den Ton und den Angriff und beginnen ein Gespräch zum Thema »Freund«. Eine raffinierte Variante der Ablenkung.
  6. „Doch, meinen Nachbarn. Also habe ich einen mehr als Sie.“
    Jetzt wird’s frech, doch – wer austeilt, muss auch einstecken können!
  7.  „Es gibt nur ein Problem, das schwieriger ist als Freunde zu gewinnen, nämlich, sie wieder loszuwerden.“
    Dabei benutzen Sie den »Eiszapfen-Blick« von oben nach unten. Eine schöne Variante, die auch den gewünschten Abstand nochmals zur Sprache bringt.
  8. „Das sage ich Ihnen gerne, wenn Sie mir im Gegenzug erklären können, was meine Freunde mit unserem Problem, dass Sie mir so nah auf die Pelle rücken, zu tun haben.“
    Sachliche Klarstellung.
  9. „Diese Frage sollten Sie sich lieber stellen!“
    Dazu ein bestimmter Tonfall und ein bestimmter Blick. So setzen Sie eine klare Grenze.

Anekdoten – auch früher gab es schlagfertige Reaktionen

Der Reichtagsabgeordnete Rudolf Virchow, von Hause aus Pathologe, warf Reichskanzler Otto von Bismarck vor, er vermisse bei ihm auch das leiseste Verständnis von nationaler Politik. Bismarck konterte mit chirurgischer Präzision: »Ich muss dem Herrn Abgeordneten dieses Kompliment zurückgeben – unter Weglassung des Eigenschaftswortes ’national‘.«

Friedrich August III von Sachsen lässt sich von einem Dorfbarbier rasieren. Der schneidet ihn mehrfach. Er sagt: »Das kommt vom Saufen.« »Wohl Majestät, Alkohol macht die Haut spröde.«

Von Alfred Adler wird berichtet, dass er einmal zu einer Dame, die sich mit Skrupeln plagte, dass sich ein Offizier ihretwegen erschossen hatte, sagte: »Und jetzt denken Sie, das sei Ihre Schuld? Das könnte Ihnen so passen.«

Schlagfertige (-kräftige :-)) Witze zwischen Mann und Frau

Er: »Du wirst doch nicht einen Volltrottel heiraten, nur weil er Geld hat?»
Sie: »Kommt darauf an – wie viel hast Du denn?«

Ein Ehepaar so um die 50 fährt über Land – natürlich mit dem Mann am Steuer, weil die ja eh besser fahren. Als ein Frosch über die Straße hüpft, kann der Fahrer gerade noch mit einer Vollbremsung kurz vor ihm den Wagen zum Stehen bringen. Er steigt aus, um nachzusehen und der Frosch spricht zu ihm: Ich bin ein ganz besonderer Frosch und weil Du mich gerettet hast, kann ich Dir einen Wunsch erfüllen! Oh, sagt der 50-jährige daraufhin: Dann möchte ich eine 20 Jahre jüngere Frau haben! Und simsalabim … war er 70 Jahre alt.

Sie: »Wie findest Du das Essen?«
Er: »Wieso musst Du schon wieder Streit anfangen?«

»Gnädige Frau, wollen Sie nicht auch etwas für unser neues Trinkerheim beisteuern?«
»Gern. Sie können meinen Mann haben.«

Arzt: »Ihr Mann gefällt mir gar nicht.«
»Mir auch nicht, aber die Kinder hängen so an ihm.«

Sorry, doch mir sind diesmal nur schlagfertige Witze auf Kosten der armen Männer aufgefallen. Ich freue mich über Eure Zusendungen von Witzen, bei denen die Herren gewinnen.

Der Angriff des Monats Februar

Situation: Sie haben Probleme mit Ihrem neuen PC und gehen zurück in das Geschäft, in dem sie diesen gekauft haben. Sie fragen nach der seltsamen Fehlermeldung, die Ihr Gerät produziert und bekommen vom Fachverkäufer zur Antwort:

 „Sie verstehen das sowieso nicht!“

 Suchen Sie erst eine eigene Antwort!

Mögliche Reaktionen:

  1. „Wenn Sie Ihre Einstellung damit meinen, dann gebe ich Ihnen Recht.“
    Sie beziehen die Aussage auf den Sprecher und machen deutlich, was Sie von der Antwort halten.
  2. „Tut mir leid, an dem Tag hab ich in der Schule gefehlt. Vielleicht sind Sie ja so großzügig und opfern mir Ihre kostbare Zeit.“
    Die Reaktion ist sehr ironisch. Vorsicht. Nicht jeder versteht Ironie.
  3. „Haben Sie auch Schwierigkeiten mit diesen Fehlermeldungen? Mir scheint es so, denn sonst könnten Sie es mir ja leicht verständlich erklären.“
    Sie kehren den Angriff inhaltlich um.
  4. „Sie bekommen eine zweite Chance für Ihre Antwort.“
    Humorvoll. Dabei ist es wichtig, dass Sie sehr selbstbewusst auftreten.
  5. „Stimmt. Ich bräuchte jemanden, der es »gescheit« erklären kann.“
    Gegenangriff. Der kann entschärft werden mit einem Zusatz wie: „Sind Sie die Person, die mir dabei weiterhelfen wird?
  6. „Was genau verstehe ich nicht? Was kann ich tun, um es besser zu verstehen?“
    Nutzen Sie den Antwortreflex des anderen. Dadurch gerät der in Zugzwang.
  7. „Ich kann mich nicht mit ihnen messen, Sie sind der Fachmann. Doch bitte gestehen sie mir auch Sachverstand zu.“
    Sachliche Darstellung.
  8. „Wie kommen Sie auf solch eine unqualifizierte Äußerung?“
    Im Zweifelsfall ist die Frage immer eine gute Wahl!

Gegen den Chef zur Wehr setzen

Sie haben das Recht, sich zu wehren! Lassen Sie sich nicht alles gefallen – auch nicht von Chefs!

Gerade bei cholerischen Chefs ist es notwendig, ihnen Grenzen zu setzen. Niemand hat das Recht, über uns zu verfügen, auch wenn er dafür bezahlt. Wir selbst bestimmen, wie wir arbeiten und auf welche Art. Wir wollen uns wohlfühlen und als Mensch wahrgenommen werden.

Menschen tun Dinge die funktionieren. Wer gelernt hat, dass auf Herumbrüllen oder Anfeindungen wie: „Sie sind eine Null!“ keine negativen Sanktionen folgen sondern Angst und Unterwerfung, wird dieses Verhalten nicht ändern. Die Person hat gar keinen Anlass, etwas zu ändern. Anbrüllen und Beschimpfungen sind Beleidigungen und die sind ein Straftatbestand. Wiederholte Beleidigungen können sogar die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar machen, was Schadenersatzansprüche bedeutet. Am besten spricht man das Verhalten nach dem ersten Auftreten am folgenden Tag an. Fordern Sie darin respektvolles Verhalten Ihnen gegenüber ein.

Mögliche Vorgehensweise:

  1. Schildern der Situation.
  2. Ich empfinde das als beleidigend / respektlos. Das möchte ich so nicht.
  3. Was kann / soll ich tun, falls sich das wiederholt?

Für sich selbst einzustehen ist dabei nicht einfach. Es ist meist einfacher, sein Kind zu verteidigen, als sich selbst. Doch es lohnt sich. Nur so erhalten sie den verdienten Respekt. Üben Sie Ihre Vorgehensweise vorher mehrfach laut und lassen Sie die Szene auch mental einige Male vor Ihrem inneren Auge ablaufen. Dann sind Sie gerüstet für dieses wichtige Gespräch. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg!

Reaktionsmuster erkennen

Suchen sie in den drei Anekdoten nach dem jeweiligen Reaktionsmuster. Was verwenden die drei Personen in ihrer Reaktion?

Als Bernard Shaws Stück »Candida« in New York neu aufgeführt wurde, kabelte er der Titelheldin, der Schauspielerin Cornelia Skinner: »Ausgezeichnet, unübertrefflich.« Vom Lob überwältigt, kabelte Miss Skinner zurück: »Lob unverdient.« Darauf kabelte Shaw: »Ich meinte das Stück.« Darauf kabelte Miss Skinner: »Ich ebenfalls.«

Der Physiker Allessandro Volta antwortete auf die Frage, wieso er seinen Kaffee ohne Zucker trinke: »Weil ich so mehr Kaffee in die Tasse bekomme.«

Theodor Heuss sagte auf die Aussage: »Auf Ihrer Weste ist Zigarrenasche«: »Des ist die gwöhnt.«

Standards- oder Brückensätze

Ich wünsche allen ein phantastisches Jahr 2019 und freue mich über Rückmeldungen zu meinen blog-Beiträgen. Wie im letzten Jahr wird es jeden Mittwoch einen neuen Beitrag geben. Wie im letzten Jahr wird es strukturiert zugehen. Jeden Monat gibt es eine Anekdote oder einen Witz, eine Kreativübung, eine Sprüchesammlung / Standards, einen Angriff mit möglichen Reaktionen und eine Überraschung. Es lohnt sich also, weiterhin reinzuschauen. Lassen Sie sich per e-mail oder Twitter erinnern, damit Sie keinen Beitrag verpassen und Ihren »Erinnerer« für Ihre Weiterentwicklung  in der eleganten Schlagfertigkeit regelmäßig bekommen.

Gedanken muss man aufschreiben, wenn man sie hat und nicht erst, wenn man sie braucht.

Nehmen Sie sich doch für 2019 vor, Ihr persönliches Superbuch der eleganten Schlagfertigkeit zu erstellen. Fangen Sie heute noch damit an und beginnen Sie mit einer Seite Ihrer Standardantworten oder Brückensätzen. Vielleicht ist ja bei den folgenden schon einer für Sie dabei:

In 80 % der beruflichen Diskussionen reicht der Einsatz von Brückensätzen aus, um souverän mit unsachlichen Angriffen zurecht zu kommen.

Dem anderen zeigen, dass man ihn ernst nimmt, den unfairen Angriff stoppen, gleichzeitig den Dialog aufrechterhalten. Deeskalieren und dem anderen zeigen, dass sein Beitrag zur Problemlösung wichtig ist. Oft reicht der Hinweis auf die unsachliche Taktik, wie z.B. so:

  • Herr Müller, mit gegenseitigen Schuldzuweisungen kommen wir nicht weiter. Lassen Sie uns besprechen, wie wir jetzt das Problem lösen können. Mein Vorschlag…

Oder allgemeiner:

  • Ich frage mich, wie Sie zu dieser Einschätzung kommen. Zumal das Gegenteil richtig ist…
  • Diese Aussage erstaunt mich…
  • Das sieht auf den ersten Blick vielleicht so aus. Doch gerade weil wir … tun, sind wir …
  • Das mag auf den ersten Blick so aussehen. Wenn man jedoch genauer hinschaut dann wird deutlich…
  • Ich mache mir Sorgen um unsere Zusammenarbeit.
  • Ich bin enttäuscht, dass…
  • Ich fühle mich bedrängt und das macht es für mich schwierig, mich frei zu äußern.

Zeit gewinnen durch ein Pufferwort

Überlegen sein kommt von überlegen.

Erst denken, dann handeln!

Suchen Sie sich ein Codewort wie z.B. Stop, cool down, Moment, interessant.

Oder stellen Sie sich ein knallrotes Stopschild oder eine rote Ampel vor.

Und nun üben Sie dieses Codewort oder Codebild ein. Ziel ist es, sich selbst mithilfe des Codes geistig aus unguten Situationen herauszukatapultieren und von außen auf die Situation schauen zu können. Betrachten Sie ab sofort ungute Situationen aus der Metaebene.

Es ist nicht ausschlaggebend, dass Sie nie die Fassung verlieren. Wichtig ist nur, dass Sie sie so schnell wiederfinden, dass es nicht auffällt.

Morihei Uyeshiba, Begründer des Aikido wurde einmal gefragt, ob er je sein Gleichgewicht verlöre. Darauf antwortete er: „Ja, immer, aber ich gewinne es so schnell wieder, dass man nicht sieht, dass ich es verliere.

Sagen Sie doch einfach mal: Na und? Oder: So what?

Ein Angriff bedeutet auch immer, dass dem anderen die rationalen Argumente ausgegangen sind.

Kreativitätsübung Oktober

Finden Sie 7 Minuten lang Adjektive für die Beschreibung einer Straßenbahn.

  1. B. laut, geräumig, unbequem, …

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Erzählen Sie eine Geschichte, in der folgende Begriffe vorkommen.

Kinder                                 Geranie

Winter                                 Kanalisationsdeckel

Rhetorikkurs                      Aufstand

Ausweis                             Marihuana

richtig                                  essen

Kornfeld                              Agamemnon
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Finden Sie 27 Begriffe, die Sie mit Ihrem Beruf verbinden.

  1. B. Geld verdienen, Verantwortung, Spaß, …

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Denksport des Tages

Eine wunderschöne Prinzessin hat sich in einen armen Ritter verliebt und die beiden wollen heiraten. Der König ist davon nicht begeistert. Er gibt vor, dem Ritter eine Chance geben zu wollen. Falls er aus seinem goldenen Beutel von den beiden Kieselsteinen, die er dort hineinstecken will, den weißen zieht, bekommt er die Hand der schönen Esmeralda. Andernfalls muss er sterben. Der König bückt sich und nimmt zwei Steine auf. Die Prinzessin bemerkt rechtzeitig, dass es zwei schwarze Kieselsteine sind. Das flüstert sie auch ihrem Geliebten zu. Wie schaffen es die beiden, doch heiraten zu können?

 

… wenn sie nach einigem Nachdenken selbst nicht auf die Lösung kommen – schicken Sie mir eine e-mail. Sie erhalten dann von mir die Lösung.

Der Angriff des Monats Oktober

Situation: Lena möchte gemeinsam mit ihrem Freund das erste mal in den Urlaub fahren. Ihre Eltern sind entsetzt und sagen unisono:

Das geht nicht, dafür bist Du noch zu jung!

 

Ihre Antwort: ________________________________________________________________

 

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Gelungene Abwehrtechniken:

  1. »Geht nicht« „gibbet“ nicht.
  2. Wer nicht gerne denkt, sollte wenigstens von Zeit zu Zeit seine Vorurteile neu gruppieren. Lothar Burbank
  3. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.Diese drei Antworten werden nicht gerade dazu beitragen, dass Sie von Ihren Eltern ein O. K. bekommen. Wenn Sie etwas Bestimmtes erreichen wollen ist es ungünstig, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen.
  4. Ach was.
  5. Sagt wer?
  6. Wenn wir wollen, geht es. Vielleicht nicht so, dann aber bestimmt anders.
  7. Die Weltgeschichte zeigt Gott Sei Dank, dass sich nicht jeder von diesem Satz entmutigen lässt.
  8.  Warum?
    Die »warum-Frage« löst beim anderen den Antwortreflex und zusätzlich eine Rechtfertigung aus. Dadurch setzen Sie Ihre Eltern direkt in Zugzwang. Allerdings wäre »weswegen« oder »was genau spricht dagegen« die bessere Wahl, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.
  9. Wir haben es doch noch gar nicht probiert – also nicht lange reden sondern tun.
  10. Stellt Euch vor, ich bekomme es hin. Dann staunen wir alle.
  11. Mit der Entscheidung seid Ihr nicht gerade die Eltern des Monats.… und Sie nicht gerade die Tochter, die Erlaubnis bekommt, mit dem Freund in den Urlaub zu fahren. Die Antwort klingt schnippisch und ist nicht zielführend. Schlagfertigkeit ist gut, doch nicht immer sinnvoll.