Ja genau … und Beleidigung z. B. im Supermarkt

In vielen Situationen ist ein Zustimmen viel verblüffender für den anderen als irgendeine Gegenwehr. Und irgendetwas gibt es in der Aussage der anderen meistens, dem man zustimmen kann. Doch wenn wir automatisch auf Gegenwehr schalten, liefert unser Hirn uns Reaktionen statt Zustimmung. Probieren Sie es aus. Das macht Spaß.

„Du hast ganz schön zugelegt.“ Oder subtiler: „Na ein paar Plätzchen zu viel gegessen?“

  • „Ja genau. Das Essen war echt Klasse auf den Malediven.“
  • „Ja genau. Und wie gut es mir steht.“

„Drängeln Sie sich immer vor?“

  • „Ja genau. Das ist gerade mein Übungsfeld.“

„Sie stehen mir im Weg.“

  • „Ja ich merke es auch.“

Was auch helfen kann ist, die Situation für sich selbst zu relativieren und in ein anderes Licht zu stellen. Das geht z. B. mit folgenden Fragen:

  • Was genau ist passiert und was ist wahr an dem Vorwurf?
  • Was sagt der Vorwurf über Denken und Wünsche des anderen aus?
  • Kann ich aus dem Vorfall etwas lernen?
  • Will ich mein Verhalten oder meine Einstellung für ein nächstes Mal verändern?
  • Wenn ja – was mache ich beim nächsten Mal anders.
  • Wenn nein – ich streiche diesen Vorgang aus meinem Gedächtnis.

 


Der Angriff des Monats Juni

Situation: Im Supermarkt sind Sie ein bisschen genervt, nach dem der Mann vor Ihnen ‚etwas länger‘ zum einkaufen und einpacken braucht. Beim Loslaufen reißt Ihm die Plastiktüte und Sie lassen sich zu dem Kommentar hinreißen: „Mit einer Stofftasche wäre Ihnen das nicht passiert.“ Darauf antwortet er:

 „Sie glauben wohl Sie sind perfekt?“

 Suchen Sie erst eine eigene Antwort!

Mögliche Reaktionen:

  1. „Nein, soweit würde ich wohl nicht gehen.“
    Sie antworten direkt auf die Frage und überhören dabei die Bosheit.
  2. „Nein, aber ich verbessere mich jeden Tag.“
    Wenn Sie das »ich« besonders betonen, beziehen Sie einen Teil der Aussage auf den Sprecher. Damit wir der ins Unrecht gesetzt.
  3. „Ich glaube das zwar nicht, aber wenn Sie mich als perfekt einschätzen bedanke ich mich recht herzlich für das Kompliment.“
    Sie nehmen die Aussage positiv und übertreiben Ihrerseits. Dadurch irritieren Sie Ihr Gegenüber.
  4. „Glauben heißt nicht wissen. Was genau wollen Sie mir damit sagen?“
    Sie gehen kurz auf die Unverschämtheit ein und geben ihr eine witzige Wendung. Durch die Frage ist der Ball wider beim Anderen. Das ist nur empfehlenswert, wenn Sie eine weitere Konversation wünschen.
  5. „Nein, aber ich bemühe mich (im Gegensatz zu Ihnen), so zu leben, dass andere nicht gestört werden.“
    Raffinierte Wendung und milder Gegenangriff
  6. „Ja natürlich, genau so perfekt wie jeder andere von uns!“
    Sie geben eine direkte Antwort auf die Frage. Das klingt sehr souverän.

Anekdote aus dem Fernsehen

In den sechziger Jahren moderierte ein Mann namens Joe Pine eine Talkshow im kalifornischen Fernsehen. Das Bemerkenswerte an den Sendungen war Pines sarkastischer und konfrontativer Ton im Umgang mit seinen Gästen. Nicht selten ging er direkt nach der Vorstellung eines Gastes zum Angriff auf dessen persönliche Überzeugungen, Fähigkeiten oder äußere Erscheinung über. Manche behaupten, dass Pines bissige persönliche Art Folge einer Beinamputation war, die ihn verbittern ließ. Eines Abends trat der Rockmusiker Frank Zappa in der Show auf. Es war zu einer Zeit, in der sehr lange Haare bei Männern noch etwas Ungewöhnliches waren. Nachdem Zappa vorgestellt worden war und sich gesetzt hatte, legte Pine sofort los: »Sie haben so lange Haare. Sind Sie etwa eine Frau?« Darauf antwortete Zappa: »Sie haben ein Holzbein. Sind Sie etwa ein Tisch?«