Anekdoten, Geschichten

Ronald Reagan wurde auf den Nachteil angesprochen, der älteste Bewerber um das Präsidentschaftsamt zu sein. Darauf sagte er: »Ich will aus der Jugend und Unerfahrenheit meines Gegners keinen politischen Vorteil ziehen.«

 

Der Wiener Zivilrechtler Professor Johann Schima war ein Mann von ausgeprägtem Pflichtbewusstsein, der es aber stets eilig hatte. So kam es, dass er eines Tages eine Assistentin mit den Worten begrüßte: »Guten Morgen! Leider habe ich keine Zeit Sie zu fragen, wie es Ihnen geht!«

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Tatsächlich passiert

Gestern sagte die Sekretärin eines meiner guten Kunden als Begrüßung zu mir: »Was machen Sie denn für ein Gesicht?« Und wieder einmal hatte ich meine Übung am lebenden Objekt. Ich setzte meinen »Jetzt-bin-ich-irritiert-Blick« auf (Achtung: bitte nicht verwechseln mit dem »Du-kommst-hier-nicht-rein-Blick«) und erfand zunächst einige Reaktionen um danach eine auszuwählen. Zur Auswahl standen:

  • Wie bitte?
  • Ist das die neuste Variante von »Guten Morgen«?
  • Ich freue mich auch, Sie zu sehen.
  • Wenn ich Gesichter machen könnte, würde ich Ihnen auch ein neues machen.
  • Welche Laus ist Ihnen denn heute Morgen schon über die Leber gelaufen?
  • Oh, das war jetzt ein ungünstiger Einstieg. Ich komm nochmal rein.
  • Ein freundliches.

Und gesagt habe ich: »Ich hab leider nur dieses eine Gesicht. Heute Morgen hätte ich mir auch lieber ein anderes ausgesucht.

Was wäre Ihre Reaktion hier?

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Der Angriff des Monats Mai

Situation: Sie haben sich einen neuen teuren Pullover gekauft und stellen – leider erst – nach der ersten Wäsche fest, dass er einen doch recht auffälligen Webfehler hat. Sie gehen zurück ins Geschäft, um den Fehler zu reklamieren und bekommen von der Verkäuferin die pampige Antwort:

 „Das ist nicht mein Problem.“

  Erst Ihre Antwort:

 

Mögliche Reaktionen:

 

  1. Das wird es aber werden, wenn Sie sich der Sache nicht annehmen.
  2. Aber das kann ganz schnell Ihr Problem werden, wenn ich mich sofort zu Ihrem Vorgesetzten begebe.
    –        So eine schnelle Drohung liegt uns auf der Zunge, wenn uns im Kundenservice jemand so unprofessionell begegnet. Wenn Sie zu diesem Mittel greifen, müssen Sie allerdings auch bereit sein, die Drohung in die Tat umzusetzen.
  3. Ungelöste Probleme sind die Evergreens der Politiker. (David Frost)
  4. Problem ist so ein hässliches Wort. Jetzt nehmen wir einmal an, es wäre eine Herausforderung für Sie. Wie würden Sie dann dazu stehen?
    –        Sie bleiben konstruktiv und beziehen sich nur auf ein Wort. Dadurch bleiben Sie handlungsfähig und gehen nicht zum Gegenangriff über. Damit haben Sie eine gute Chance, Herrin der Lage zu bleiben.
  5. Ich sehe schon, Ihre Anwesenheit hat lediglich dekorative Bedeutung.
    –        Mit der Bemerkung heben Sie den Fehdehandschuh auf und gehen zum Angriff über. Ob das eine günstige Strategie ist, um zu einem Umtausch zu kommen ist fraglich. Doch es ist auf jeden Fall eine Genugtuung für Sie.
  6.  Der Weitblick mancher Leute besteht darin, die nächsten Probleme zu übersehen. (Wolfgang Eschker)

 

TIPP: Wägen Sie ab, wie viel Ihnen dieses Geschäft und der Vorgang wert ist. Wollen Sie für diese eine Situation eine adäquate Lösung oder wollen Sie eine allgemeine Genugtuung? Stehen Sie auf jeden Fall für sich ein und lassen Sie sich nicht abwerten. Noch zwei zielführende Fragen:

  • Ist das Ihre Vorstellung von Kundenservice?
  • Wollen oder können Sie mir keine klare Antwort geben?
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Schöne Formulierung

Klaus-Peter Müller, Vorstandschef der Commerzbank und damaliger Präsident des Bankenverbandes reagierte auf einen Journalisten mit den Worten: »Wenn unsere Forderung nach gleichen Wettbewerbsbedingungen bereits eine Aggression darstellt, muss ich mich intellektuell neu ausrichten.«

Ob ihm das tatsächlich in dem Moment eingefallen ist? Vermutlich war die Formulierung vorbereitet. Und … sie ist sehr wirkungsvoll 🙂

 

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Der Angriff des Monats April

Situation: Sie wissen aus sicherer Quelle, dass in unmittelbarer Nähe Ihres Grundstücks ein Tennisplatz gebaut werden soll. Nun gehen Sie ins Rathaus, um Einspruch einzulegen. Darauf bekommen Sie von dem Sachbearbeiter die pampige Auskunft:

„Das sind doch alles Gerüchte und Erfindungen!“

Zuerst Ihre eigene Antwort:

 

Mögliche Reaktionen:

 

  1. Woher kommt bei Ihnen die Annahme, dass ich hierfür keine Fakten vorliegen habe?
  2. Meine Anfragen basieren grundsätzlich auf einer guten Recherche. Ich kann Ihnen gerne die Unterlagen mit den Fakten zeigen, die dies belegen, wenn Sie meinen Ausführungen keinen Glauben schenken wollen.
    – Beide Antworten gehen nur  auf die Sache und nicht auf den Ton oder den versteckten Angriff ein. Damit bleiben sie souverän und lassen sich nicht dazu verleiten, auf die gleiche Ebene zu wechseln, wie Ihr Widersacher.
  3. Na, Sie müssen das ja wissen.
  4. Wirklich? Was macht Sie so sicher?
  5. …war die Meinung führender Wissenschaftler zu den Theorien eines Bibliotheksangestellten namens Albert Einstein.
  6. An jedem Gerücht ist ein bisschen was Wahres – und Erfindungen bringen die Menschheit weiter.
  7. Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Gerüchte sind die Rauchfahnen der Wahrheit.
    – Sprichwörter und Klischees sind wunderbare Antwortgeneratoren. Sie bedienen sich hier eines Sprichwortes und beweisen dadurch Ihr Assoziationsvermögen. Wenn Sie nun eine Frage anschließen, geht der andere auf die Sachebene – also dahin, wo Sie ihn haben wollen.
  8. Danke für den Begriff »Erfindungen«. Immerhin leben wir im Lande der Dichter und Denker. Erfindung bedeutet Fortschritt. Wie ist Ihre Meinung?
  9. Aber es nutzt nichts, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen.
  10. Ihr Optimismus freut mich, ich kann ihn aber nicht bestätigen.
    – Sie fassen die Aussage als positiv und konstruktiv auf. Darauf kann der Andere ganz schwer in der „Angriffsrinne“ bleiben. Sie haben nun die Möglichkeit, durch gezielte Fragen oder Aussagen das Gespräch in positive Bahnen zu lenken.
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Der Angriff des Monats März

Situation: Beim Elternabend im Kindergarten wird Ihnen eröffnet, dass die Beiträge sich entsprechend dem Einkommen der Eltern anpassen. Da Sie zwei Kinder in diesem Kindergarten haben, würde sich durch diese Maßnahme Ihr Beitrag verdoppeln. Sie vertreten eine Beibehaltung der bisherigen Gebühren. Darauf  meint der Vorstand:

„Wir wollen soziale Gerechtigkeit. Deshalb liegt nahe…“

Überlegen Sie zunächst Ihre eigene Antwort.

 

Mögliche Reaktionen:

  1. Soziale Gerechtigkeit ist eine abgedroschene Phrase. Was genau bedeutet das für Sie?
  2. Was genau verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter: »Soziale Gerechtigkeit«?
    – Die Reaktion bei diesen beiden Varianten ist jeweils eine Frage. Fragen sind immer eine gute Möglichkeit, um den anderen zum Nachdenken zu bringen und aus dem Reiz-Reaktions-Schema zu holen.
  3. Soziale Gerechtigkeit ist doch nur ein Schlagwort, unter dessen Fahne viele versuchen, ihre eigenen Interessen durchzuboxen.
  4. Sehen Sie, wir verfolgen dieselben Ziele, wir wollen auch soziale Gerechtigkeit! Aber unseres Erachtens ist dies wesentlich besser und schneller über einen anderen Weg, als den Ihren, zu erreichen.
    – Sie stimmen dem zu, in dem Sie beide sich einig sind und erweitern dann rein sachlich, Ihre Argumentation. Dabei bleiben Sie höflich und bestimmt.
  5.  … dass wir feststellen, was für uns »soziale Gerechtigkeit« bedeutet.
  6. Wir wollen eine Lösung für alle und genau deshalb ist es notwendig, dass wir in der Richtung weiterdenken.
  7. Bei uns herrscht Meinungsfreiheit. Da darf sogar der seine Meinung sagen, der gar keine hat.
    – Manchmal tut ein Gegenangriff einfach gut, doch überlegen Sie bitte hier wieder genau, ob sie diesen auch aussprechen.
  8. Wollen Sie durch einen Allgemeinplatz vom Thema ablenken? Wir sprachen über…
  9. Jeden gleich zu behandeln ist das Ungerechteste, was wir tun können. Stellen Sie sich vor, ein Gärtner würde seinen Garten ganz gerecht, gleich gießen und düngen. Da würde die Herrschaft schnell an die Spontanvegetation gehen. Das wollen wir nicht. Deshalb …
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Kluge Menschen ignorieren Beleidigungen

Wenn ein Dummkopf sich ärgert, lässt er es sich sofort anmerken.

Kluge Menschen ignorieren Beleidigungen, fassen sie positiv auf oder definieren sie kreativ um.

Wenn zum Beispiel jemand zu Ihnen – in diesem gewissen Ton – sagt:

„Na Du gefällst mir!“

Dann haben Sie nun einige neue Reaktionsmöglichkeiten wie:

  • Danke für das Kompliment.
  • Schön, dass ich Dir gefalle. Das tut einfach gut.
  • Da hättest Du mich gestern erst mal sehen sollen.
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Stimmen aus dem Parlament

Heiner Geißler wurde in den 80er Jahren bei einer Podiumsdiskussion die Frage gestellt: »Herr Geißler, wie würden Sie eigentlich argumentieren, wenn bei der nächsten Bundestagswahl Rot-Grün die Mehrheit hätte?«
Darauf antwortete Geißler: »Verehrter Herr Fragesteller, Ihre Frage liegt etwa auf dem folgenden Niveau: Wenn Eichhörnchen Pferde wären, könnten wir die Bäume hinaufreiten. Nun sind Eichhörnchen nachweislich keine Pferde…«

Abgeordneter zum anderen: »Sie machen ja in keiner Sitzung den Mund auf.« Antwort: »Sie irren sich, immer wenn ich Sie reden höre, muss ich gähnen.«

Die Münchner Illustrierte Quick fragte 1963 Franz Josef Strauß, ob in Zukunft Erhard ein besserer Bundeskanzler sein könnte als Adenauer. Er antwortete: »Wenn mich jemand fragt, ob Goethe oder Schiller der größere deutsche Dichter ist, sag ich immer „Ja!“«.

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Der Angriff des Monats Februar

Situation: Sie setzen sich beim Elternabend vehement für das Schulessen ein. Ihrer Meinung nach soll die neue Mensa so schnell wie möglich in Betrieb genommen werden. Sie haben drei Kinder in dieser Schule und brauchen die durchgängige Versorgung. Nun hören Sie die freundlich-süße Stimme Ihrer Vorsitzenden:

 „Wer geschieden ist, kann darüber so denken, aber…“

 Erst Ihre eigene Antwort:

 

Mögliche Reaktionen:

  1. Nicht, wer geschieden ist, sondern jemand, der flexibel ist in seinem Denken, der kann so darüber denken.
  2. Aber als Nichtverheiratete sehe ich das ganz anderes.
    – Durch das Umdefinieren erhalten Sie Ihren Abstand und weisen den Sprechenden darauf direkt hin.
  3. Alles nur eine Frage klarer Entscheidungen.
    Da, wie sie ja wissen, ein Großteil der Bevölkerung bereits mindestens einmal geschieden ist, können Sie davon ausgehen, dass dieser Gedanke sehr realitätsnah ist.
    – Sie gehen rein sachlich auf die Aussage ein, ohne auf die spitze Bemerkung Bezug zu nehmen. Das kann sehr souverän wirken.
  4. Sie müssen es ja wissen. Und wie denken Sie nun genau darüber?
  5. Oh, interessanter Standpunkt – wie kommen Sie darauf?
  6. Entschuldigen Sie bitte, wenn ich Sie mit meinen Äußerungen überfordert habe.
  7. Die Betonung liegt auf »kann«, er »kann« demnach auch anders denken.
    – Sie nehmen ein Wort heraus und reagieren auf das. Auch das ist eine gute Variante, um Ihren eigenen Abstand beizubehalten und sich nicht getroffen zu fühlen.
  8. Wer geschieden ist, ist nur nicht mehr verheiratet, sein Denken ist davon nicht beeinträchtigt.
TIPP: Wenn Sie das Gefühl haben Ihnen tritt jemand zu nahe, dann wirkt eine Antwort wie die folgende, immer souverän:

Meine persönliche Situation hat nichts mit dieser Angelegenheit zu tun. Bitte bleiben Sie bei der Sache.

 

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Tatsächlich passiert

Letzte Woche sagte ein Postbeamter zu mir: »Ach Sie schon wieder mit Ihrer Büchersendung!« Da konnte ich das Jahr doch gleich mit einer kleinen Übungseinheit in Sachen Schlagfertigkeit beginnen. Ich hab ihn mit dem »Du-kommst-hier-nicht-rein-Blick« angesehen und dabei überlegt, welche Reaktion ich jetzt auswähle. Zur Auswahl hatte ich:

  • Ich freu mich auch Sie zu sehen.
  • Gut erkannt.
  • Schön, dass Sie wieder für mich arbeiten.
  • Ist das bei der Post Einstellungsbedingung, Sendungen sofort einordnen zu können?
  • Was wollen Sie mir damit sagen?
  • Warum denn heute so freundlich?

Und gesagt habe ich: »Warten Sie nur bis morgen. Da bringe ich zwei!«

Was wäre Ihnen in der Situation eingefallen? Machen Sie es wie ich. Nutzen sie Alltagssituationen für Ihre tägliche Übung.

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