Von Abraham a Santa Clara lernen

Der legendäre Hofprediger Abraham a Santa Clara wetterte in einer Predigt: »Die Wiener Frauen sind nicht wert, vom Teufel geholt zu werden!«

Die Damen beschwerten sich beim Erzbischof und Abraham a Santa Clara sollte es zurücknehmen. Eine Woche später sagte er in der Kirche: »Entgegen meiner Behauptung vor 8 Tagen stelle ich fest, dass die Wiener Frauen es doch wert sind, vom Teufel geholt zu werden.«

Ein anderes mal sagte er, er könne alle Jungfrauen, die es in Wien gebe, bequem in einem Schubkarren durch die Stadt fahren. Auch das musste er, auf Anregung der Damen und im Auftrag des Bischofs widerrufen. Diesmal sagte er: »Widerrufen kann ich nicht, aber ich habe ja auch nicht gesagt, wie oft ich fahren müsste.«

Der Angriff des Monats Juni

Situation: Im Supermarkt sind Sie ein bisschen genervt, nach dem der Mann vor Ihnen ‚etwas länger‘ zum einkaufen und einpacken braucht. Beim Loslaufen reißt Ihm die Plastiktüte und Sie lassen sich zu dem Kommentar hinreißen: „Mit einer Stofftasche wäre Ihnen das nicht passiert.“ Darauf antwortet er:

 „Sie glauben wohl Sie sind perfekt?“

 Suchen Sie erst eine eigene Antwort!

Mögliche Reaktionen:

  1. „Nein, soweit würde ich wohl nicht gehen.“
    Sie antworten direkt auf die Frage und überhören dabei die Bosheit.
  2. „Nein, aber ich verbessere mich jeden Tag.“
    Wenn Sie das »ich« besonders betonen, beziehen Sie einen Teil der Aussage auf den Sprecher. Damit wir der ins Unrecht gesetzt.
  3. „Ich glaube das zwar nicht, aber wenn Sie mich als perfekt einschätzen bedanke ich mich recht herzlich für das Kompliment.“
    Sie nehmen die Aussage positiv und übertreiben Ihrerseits. Dadurch irritieren Sie Ihr Gegenüber.
  4. „Glauben heißt nicht wissen. Was genau wollen Sie mir damit sagen?“
    Sie gehen kurz auf die Unverschämtheit ein und geben ihr eine witzige Wendung. Durch die Frage ist der Ball wider beim Anderen. Das ist nur empfehlenswert, wenn Sie eine weitere Konversation wünschen.
  5. „Nein, aber ich bemühe mich (im Gegensatz zu Ihnen), so zu leben, dass andere nicht gestört werden.“
    Raffinierte Wendung und milder Gegenangriff
  6. „Ja natürlich, genau so perfekt wie jeder andere von uns!“
    Sie geben eine direkte Antwort auf die Frage. Das klingt sehr souverän.

Anekdote aus dem Fernsehen

In den sechziger Jahren moderierte ein Mann namens Joe Pine eine Talkshow im kalifornischen Fernsehen. Das Bemerkenswerte an den Sendungen war Pines sarkastischer und konfrontativer Ton im Umgang mit seinen Gästen. Nicht selten ging er direkt nach der Vorstellung eines Gastes zum Angriff auf dessen persönliche Überzeugungen, Fähigkeiten oder äußere Erscheinung über. Manche behaupten, dass Pines bissige persönliche Art Folge einer Beinamputation war, die ihn verbittern ließ. Eines Abends trat der Rockmusiker Frank Zappa in der Show auf. Es war zu einer Zeit, in der sehr lange Haare bei Männern noch etwas Ungewöhnliches waren. Nachdem Zappa vorgestellt worden war und sich gesetzt hatte, legte Pine sofort los: »Sie haben so lange Haare. Sind Sie etwa eine Frau?« Darauf antwortete Zappa: »Sie haben ein Holzbein. Sind Sie etwa ein Tisch?«

Schöne Formulierungen 2

Diese Formulierungen habe ich alle von Herrn Manfred Rommel in diversen Vorträgen gehört. Er ist ein Meister der Formulierkunst. Hier einige Beispiele:

  • Wenn man von jemandem etwas will, darf man ihm keine Zeit lassen, nein zu sagen.
  • Ich kenne einen Herrn, von dem ich noch kein intelligentes Wort gehört habe. Ich vermag nicht zu glauben, dass das auf Verstellung beruht.
  • Die Klugheit gebietet, Menschen, von denen man etwas will, freundlich zu behandeln.
  • Ein virtuoser Navigator in flachen Gewässern.
  • Es hat wenig Sinn, Leute zu beschimpfen. Vor allem nicht, wenn man sie noch braucht.

 

Mit Charme fängt man Mäuse. Schöne Formulierungen 1

Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen. Mark Twain

Oder wie Martin Walser es formulierte: Auch Kränkungen wollen gelernt sein. Je freundlicher, desto tiefer trifft’s.

Je schöner unsere Formulierungen sind, umso besser wirken unsere Worte. Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Erstschlag ist die Höflichkeit. Lächeln Sie und seien Sie freundlich. Und denken Sie ab sofort nie mehr, jemand sei durchgeknallt. Nennen Sie es lieber einen »bio-psychischen Kurzschluss«.

Sammeln Sie doch statt Briefmarken schöne Formulierungen.

Einige meiner Lieblingsbeispiele:

  • Bitte keine Anschuldigungen. Ich bin ja durchaus willens, für die Unannehmlichkeiten aufzukommen.
  • Sie hatten mir doch versprochen, dass es so funktioniert.
    Ich hatte mich offensichtlich geirrt.
  • Strafrecht ist sehr robust und verändert die Lebenssituation des Menschen erheblich. Prof. Kirchhof
  • Er hat ein Talent, sich in Schwierigkeiten zu bringen.
  • Ich hab’s versucht heißt übersetzt: Ich habe entschieden, dass das Nichterreichen meines Ziels ebenfalls ein akzeptabler Weg ist, mit meinem Leben fortzufahren.
  • Wer sich in der Gesellschaft professioneller Bedenkenträger aufhält, braucht sich nicht wundern, wenn seine Stimmung in den Keller geht.

Der Angriff des Monats April

Situation: Sie stehen vor der Stadtbücherei und warten darauf, dass geöffnet wird. Ein Mann stellt sich ganz dicht neben Sie. Sie bitten ihn, etwas mehr Abstand zu halten. Darauf schnauzt er Sie an:

 „Haben Sie eigentlich Freunde?“

 Ihre eigene Antwort:

 Mögliche Reaktionen:

  1. „Wieso? Wollen Sie einen von meinen abhaben?“
    Schlagfertige Retourkutsche.
  2. „Nein, aber ich habe Kollegen. Die reichen mir vollkommen aus, wenn es darum geht, blöde Fragen gestellt zu bekommen.“
    Sie assoziieren und kommen von Freunden auf Kollegen. Mit den »blöden Fragen« geben Sie den Druck indirekt zurück.
  3.  „Wieso, brauchen Sie welche?
    Schöne Anwendung des Grundmusters, die Aussage auf den anderen zu beziehen.
  4. Wie hat Plutarch mal so schön gesagt: „Es ist schlimm, erst dann zu merken, dass man keine Freunde hat, wenn man wirklich Freunde nötig hat.“
    Ein philosophisches Zitat kann sehr wirkungsvoll sein, wie in dem Beispiel.
  5. „Jedermann will einen Freund haben, aber niemand gibt sich die Mühe, auch einer zu sein. Wie sehen Sie das?“
    Sie überhören den Ton und den Angriff und beginnen ein Gespräch zum Thema »Freund«. Eine raffinierte Variante der Ablenkung.
  6. „Doch, meinen Nachbarn. Also habe ich einen mehr als Sie.“
    Jetzt wird’s frech, doch – wer austeilt, muss auch einstecken können!
  7.  „Es gibt nur ein Problem, das schwieriger ist als Freunde zu gewinnen, nämlich, sie wieder loszuwerden.“
    Dabei benutzen Sie den »Eiszapfen-Blick« von oben nach unten. Eine schöne Variante, die auch den gewünschten Abstand nochmals zur Sprache bringt.
  8. „Das sage ich Ihnen gerne, wenn Sie mir im Gegenzug erklären können, was meine Freunde mit unserem Problem, dass Sie mir so nah auf die Pelle rücken, zu tun haben.“
    Sachliche Klarstellung.
  9. „Diese Frage sollten Sie sich lieber stellen!“
    Dazu ein bestimmter Tonfall und ein bestimmter Blick. So setzen Sie eine klare Grenze.

Sie müssen nicht jede Antwort selbst erfinden

Erste Hilfe durch Funk und Fernsehen

Wenn Sie mit offenen Ohren Filme und Radiobeiträge anhören, so werden Ihnen viele schöne Formulierungen auffallen, die Sie dann im »Ernstfall« selbst auch verwenden können.

Wenn Sie z. B. von jemandem zu laut angesprochen werden könnten Sie sich eine Anleihe bei Allison Dubois holen und etwas ähnliches antworten wie:

Kommissar: »Ich rede mit Ihnen!«
Allison: »Nein, Sie reden nicht mit mir, Sie schreien mich an. Sie wollen mich lächerlich machen, einschüchtern und Sie nehmen mich und meine Arbeit nicht ernst!« Aus der Krimiserie: Medium

Witzige Filmzitate können zur Ablenkung, als Vernebelungstaktik oder einfach als Gag verwendet werden. Der Vorteil beim Zitieren ist:

  • Wir gehen etwas aus der Schusslinie, weil wir ja nur zitieren, was jemand anderes gesagt hat.
  • Die Aussage bekommt mehr Gewicht, weil ja jetzt schon zwei das meinen.
    (Es wirkt noch besser, je bekannter und mächtiger der so zitierte ist).

Wenn Sie zitieren, dann beginnen Sie mit: Wie schon … in der Serie / im Film … sagte: …

Die Vorgehensweise lässt Sie noch etwas Zeit gewinnen. Doch selbstverständlich dürfen Sie solche Sätze auch direkt verwenden.

Der Angriff des Monats November

Situation: Ihre Freundin ist zum Kaffee da und erzählt schon seit fast 2 Stunden, wie gemein ihre Chefin sich ihr gegenüber verhält. Langsam reißt Ihnen der Geduldsfaden und Sie versuchen, dem Gespräch eine andere Richtung zu geben, indem Sie Ihre neueste Wohnungsdekoration zeigen. Darauf sagt Ihre Freundin kühl

Das interessiert (mich) nicht!

Ihre Antwort: ________________________________________________________________

 

Gelungene Abwehrtechniken:

 

  1. Warum hör ich Dir dann die ganze Zeit zu?
  2. Bin ich dann morgen wieder dran mit erzählen?
    Wenn dabei Ihre Körpersprache angemessen angepasst ist, dann kann das eine wunderbare Antwort sein, die unaufdringlich transportiert, wie es Ihnen mit der Aussage Ihrer Freundin geht. Sie sind damit bereit für einen konstruktiven Dialog.
  3. Stimmt, hatte ich vergessen.
  4. Wie kann ich denn Dein Interesse wecken?
  5. Was interessiert Dich denn außer Deiner Chefin im Moment sonst so?
    • Durch die sachliche Frage bieten Sie einen konstruktiven Ansatz an, ohne auf die heftige Antwort der Freundin einzugehen. Wenn Sie sich dabei gut fühlen ist das eine gute Antwortmöglichkeit.
  6. Dann solltest Du überlegen, ob Du den richtigen Job hast.
  7. Schlag ein Thema vor, das uns beide interessiert.
    • Leicht schnippisch, doch nach solch einer Aussage durchaus angemessen.
  8. Kein Problem, ich erzähle es nicht weiter.
  9. Manche Menschen haben Bretter vor dem Kopf, die ihnen die Welt bedeuten.
  10. Ehe man den Kopf schüttelt sollte man sich vergewissern, dass man einen hat. Hans Kasper
    • Die letzten beiden Antwortvarianten stören die Beziehungsebene auf jeden Fall, sind aber witzig. Jetzt kommt es darauf an, wie wichtig Ihnen diese Freundin und Freundschaft ist.

Zeit gewinnen durch ein Pufferwort

Überlegen sein kommt von überlegen.

Erst denken, dann handeln!

Suchen Sie sich ein Codewort wie z.B. Stop, cool down, Moment, interessant.

Oder stellen Sie sich ein knallrotes Stopschild oder eine rote Ampel vor.

Und nun üben Sie dieses Codewort oder Codebild ein. Ziel ist es, sich selbst mithilfe des Codes geistig aus unguten Situationen herauszukatapultieren und von außen auf die Situation schauen zu können. Betrachten Sie ab sofort ungute Situationen aus der Metaebene.

Es ist nicht ausschlaggebend, dass Sie nie die Fassung verlieren. Wichtig ist nur, dass Sie sie so schnell wiederfinden, dass es nicht auffällt.

Morihei Uyeshiba, Begründer des Aikido wurde einmal gefragt, ob er je sein Gleichgewicht verlöre. Darauf antwortete er: „Ja, immer, aber ich gewinne es so schnell wieder, dass man nicht sieht, dass ich es verliere.

Sagen Sie doch einfach mal: Na und? Oder: So what?

Ein Angriff bedeutet auch immer, dass dem anderen die rationalen Argumente ausgegangen sind.

Der Angriff des Monats August

Situation: Sie sind als Vertreterin des ortsansässigen Sportvereins beim Neujahrsempfang der Oberbürgermeisterin. Als Sie sich eben ein Glas Sekt holen, steht neben Ihnen die Ehefrau des Ortschaftsvertreters Ihrer Teilgemeinde. Die schaut Sie erstaunt an und sagt spitz:

 „Ach, sind Sie hier auch eingeladen.“

Suchen Sie erst eine eigene Antwort!

Mögliche Reaktionen:

  1. „Nein, ich bediene mich nur am Buffet!“
    Negieren und übertreiben. Zeigt dass Sie über der Sache stehen und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.
  2. „Ja, ich wurde engagiert um das Niveau zu steigern.“
    Der Gegenangriff ist nur sinnvoll, wenn Sie die Dame oder ihren Gatten nicht weiter brauchen.
  3. „Sie hier? Ich dachte Sie verbringen die Winter immer in der Südsee.“
    Wenn der Tonfall dabei ehrlich erstaunt ist, nehmen Sie der Dame den Wind aus den Segeln und können in sich hinein schmunzeln.
  4. „Ja, ich bin persönlich eingeladen worden. Und Sie?“
    Sachliche Erklärung. Die anschließende Frage regt den Antwortreflex an und bietet die Chance zum Smalltalk – wenn sie das wollen.
  5. „So hat halt jede seine Verpflichtungen. Die einen angeheiratete, die anderen selbst.“
    Die Retourkutsche, mit der Sie sich selbst auf- und die Dame abwerten. Solche Bemerkungen bitte stets bewusst einsetzen. Die können Folgen haben.
  6. „Hatten Sie keine Einsicht in die Gästeliste?”
    Durch die Frage werten Sie die Dame ironisch auf und konterkarieren dadurch die Situation. Klingt sehr raffiniert.
  7. „Ja.“
    Die einfache Zustimmung. Hier vielleicht die eleganteste Antwort. Und so sachlich!